„Blau-Gelb unter dem Hakenkreuz“ – First Vienna FC 1894 stellt neue Studie vor
Am gestrigen Abend fand die Präsentation der neuen Studie "Blau-Gelb unter dem Hakenkreuz" statt, die der Wiener Historiker Alexander Juraske anlässlich des 130-jährigen Bestehens des First Vienna FC 1894 verfasst hat. Die Veranstaltung wurde im Vienna-Museum, dem First Vienna History Club, gemeinsam mit dem Autor Dr. Juraske abgehalten und erfreute sich eines großen Interesses. Zahlreiche Besucher:innen waren gekommen, um mehr über die Aufarbeitung der Vienna-Vereinsgeschichte während der NS-Zeit zu erfahren.
Nach den historischen Aufarbeitungen des SK Rapid im Jahr 2011 und der Wiener Austria im Jahr 2018 setzt sich nun auch der First Vienna FC systematisch mit seiner Geschichte während der NS-Zeit auseinander. Juraske legt mit seinem neuen Buch die erste umfassende Untersuchung zur Vereinsgeschichte in dieser dunklen Epoche vor.
Die durch öffentliche Mittel und mit Unterstützung des Vereins ermöglichte Forschungsarbeit begann im Frühjahr 2020. Die Corona-Pandemie brachte zunächst erhebliche Einschränkungen mit sich: Archive blieben geschlossen, Recherchen mussten aufgeschoben werden. Dennoch gelang es Juraske, innerhalb von fünf Jahren ein 254-seitiges Werk zu erstellen, das sich intensiv mit der Geschichte des Vereins während des NS-Regimes auseinandersetzt. Themen wie die Rolle jüdischer Mitglieder, die Veränderungen im Fußball nach dem "Anschluss" 1938 sowie die Entwicklung des Vereins vor, während und nach der NS-Zeit stehen im Fokus.
Der First Vienna FC, ältester Fußballverein Österreichs, wurde 1894 im Wiener Bezirk Döbling gegründet. Eine Gruppe sportbegeisterter junger Männer unterschiedlicher Nationalitäten und Konfessionen, unterstützt von der jüdischen Mäzenatenfamilie Rothschild, legte den Grundstein für den Verein.
In seiner Präsentation erörterte Juraske zentrale Fragen seiner Studie: Wie veränderte sich der Wiener Fußball nach dem "Anschluss"? Welche ideologischen und politischen Zwänge beeinflussten den Sport in der NS-Zeit? Wie konnte der Verein trotz der repressiven Rahmenbedingungen sportliche Erfolge feiern? Bemerkenswert ist, dass der First Vienna FC trotz des Ausschlusses zahlreicher jüdischer Spieler und Funktionäre während des NS-Regimes eine beispiellose sportliche Erfolgsgeschichte schrieb. Zwischen 1942 und 1944 gewann der Verein dreimal seine Gauliga bzw. Bereichsklasse, erreichte 1942 das Finale der deutschen Fußballmeisterschaft und sicherte sich 1943 den Tschammer-Pokal.
Das Buch analysiert die wesentlichen Faktoren dieser sportlichen Hochphase, untersucht Brüche und Kontinuitäten und beschreibt die Mechanismen der Anpassung an die politischen Rahmenbedingungen. Dabei widmet sich Juraske auch ausführlich dem Schicksal der jüdischen Mitglieder, die ausgeschlossen und verfolgt wurden, und beleuchtet die Strategien der nationalsozialistischen Verfolgungsmaschinerie.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Entwicklung des Vereins in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Studie hinterfragt personelle Kontinuitäten und thematisiert die fehlende Auseinandersetzung mit der NS-Zeit in den Jahrzehnten nach dem Krieg.
Das Buch ist ab sofort im Vienna-Fanshop auf der Hohen Warte sowie im Buchhandel erhältlich und wird in Kürze auch im Vienna Online-Shop verfügbar sein.
Weiterführende Links:
- Website Dr. Alexander Juraske: https://www.juraske.at/
- Standard Artikel: https://www.derstandard.at/story/3000000261904/wie-die-vienna-unter-dem-hakenkreuz-zweifelhafte-erfolge-feierte